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Das ist kein April-Scherz

Wenn Realität leiser ist als jede Schlagzeile


Aufnahme im Soul Studio von Teilnehmerinnen, die sich umarmen

Es gibt Sätze, die ich lese und bei denen ich kurz innehalte, weil ich spüre, dass sie etwas in mir auslösen, das sich nicht einfach wegschieben lässt. Einer dieser Sätze ist: Suizid ist die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren in Europa.

Wenn ich ehrlich bin, fühlt sich diese Information im ersten Moment fast unwirklich an. Zu groß, zu schwer, um sie wirklich greifen zu können. Und gleichzeitig weiß ich, dass genau darin das Problem liegt. Während wir im Außen über Ziele, Wachstum und Selbstoptimierung sprechen, gibt es eine andere Realität, die oft leise bleibt. Eine Realität, die sich nicht in Zahlen zeigt, sondern in dem, was Menschen fühlen, wenn sie abends allein sind.

Ich begegne diesem Gefühl immer wieder. In Gesprächen. In Blicken. Und manchmal auch in mir selbst.


Die Lücke, die ich immer wieder sehe.

In den letzten Jahren ist mir immer klarer geworden, dass es nicht unbedingt an fehlendem Willen liegt, wenn Menschen sich nicht um ihre mentale Gesundheit kümmern. Viel häufiger fehlt ein Raum, der sich leicht zugänglich anfühlt. Ein Ort, an dem man nicht erst dann hingeht, wenn „es schlimm genug ist“.

Ich sehe so viele Menschen, die funktionieren. Die ihren Alltag meistern, Verantwortung tragen und für andere da sind. Und gleichzeitig spüre ich, wie viel sich innerlich anstaut. Gedanken, Gefühle, Druck – Dinge, die keinen Platz bekommen, weil es im Alltag einfach keinen Raum dafür gibt.

Es entsteht eine Lücke zwischen „Ich komme schon klar“ und „Ich kann nicht mehr“. Und genau in dieser Lücke verlieren sich viele.

Aufnahme im Soul Studio von einer Teilnehmerin, die einen Glückbringer in der Hand hält


Warum ich glaube, dass wir früher anfangen dürfen

Für mich hat mentale Gesundheit viel weniger mit Krisen zu tun, als wir oft denken. Sie beginnt viel früher in den kleinen Momenten, in denen wir merken, dass etwas in uns enger wird. Wenn der Körper dauerhaft angespannt ist oder wenn dieses leise Gefühl auftaucht, dass wir uns selbst gerade ein Stück verlieren.


Ich glaube, dass wir lernen dürfen, diese Signale ernst zu nehmen, bevor sie laut werden.

Genau aus diesem Gedanken heraus ist das Soul Studio entstanden. Nicht, weil ich glaube, dass es Therapie ersetzt, sondern weil ich gesehen habe, wie sehr ein Ort fehlt, an dem Menschen regelmäßig bei sich selbst ankommen können. Ein Raum, in dem sie lernen, sich zu spüren, ihre Emotionen zu verstehen und ihr inneres Gleichgewicht bewusst zu stärken.

Für mich ist das wie ein Training. Nur nicht für den Körper, sondern für das eigene Innenleben.



Was sich verändert, wenn wir ehrlich hinschauen

Ich habe für mich selbst erfahren, dass sich etwas Grundlegendes verändert, wenn ich aufhöre, nur zu funktionieren, und beginne, wirklich hinzuschauen. Es ist nicht immer angenehm, aber es ist ehrlich. Und genau darin liegt für mich die größte Kraft.

Denn in dem Moment, in dem ich mich selbst ernst nehme, verändert sich auch mein Umgang mit meinem Leben. Ich treffe klarere Entscheidungen, spüre meine Grenzen besser und verliere mich weniger in dem, was im Außen von mir erwartet wird.

Das ist auch das, was ich mir für jeden wünsche, der ins Soul Studio kommt: nicht mehr leisten zu müssen, sondern mehr bei sich anzukommen.

Am Ende bleibt für mich eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle und vielleicht auch du dir:

Wann ist der richtige Zeitpunkt, dich wirklich wichtig zu nehmen?

Vielleicht ist die Antwort einfacher, als wir denken.

Nicht irgendwann.


Sondern jetzt.


Denn das hier ist kein April-Scherz.


Deine Anika



 
 
 

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